Vor einiger Zeit habe ich einen Personalberater gefragt, wie es um den Wettbewerb der besten Köpfe – den so genannten „War for talents“ – steht. Ohne nachzudenken, hat er sofort gesagt: „Talent has won.“. Es gibt zwar immer noch Unternehmen, die eine große Sogwirkung auf Bewerber haben, doch das sind eher Großunternehmen bzw. Konzerne wie BMW – sie bekommen jährlich über 50.000 Bewerbungen –, Adidas oder Google. Der Mittelstand hat es da deutlich schwerer. Vielleicht macht er es sich aber auch schwerer.

Umdenken beim Recruiting von Fachkräften

Durch einen Perspektivenwechsel, ein Umdenken, wäre vielleicht einiges leichter. Ich habe mich kürzlich auf einer Veranstaltung mit einem IT-Unternehmer aus dem ländlichen Bereich einer Metropolregion unterhalten. Er klagte mir sein Leid, dass er keine Fachkräfte für sein Unternehmen finde. Ich habe ihn gefragt, wo er denn suche. Seine Antwort: In Deutschland. Ich sagte ihm, dass wir mit unserem Mitarbeiter-Concierge Service für einen Kunden aus der IT-Branche tätig seien, der zwischen Mai 2017 und heute seine Mitarbeiter-Anzahl von 175 auf 360 mehr als verdoppelt hat. Der IT-Unternehmer fragte mit großen Augen: „Wie ist das möglich?“ Ich antwortete, dass dieses Unternehmen nicht nur in Deutschland IT-Fachkräfte sucht und rekrutiert, sondern Global Sourcing betreibt, also weltweit nach hochqualifiziertem Personal sucht – und dieses offensichtlich auch findet. Es kommt immer darauf an, in welches Gewässer man seine Angel hält: in den eigenen Teich im Garten oder in den Atlantischen Ozean… Das meine ich mit Perspektivenwechsel.

Hier noch ein weiteres Beispiel, das allerdings auch zeigt, dass in Deutschland teilweise die falschen Rahmenbedingungen gegeben sind. Ich war im Sommer 2019 in einer großen deutschen Uniklinik zu einem Termin mit dem Geschäftsführer der Klinik. Die Klinik hat über 7.000 Mitarbeiter. Es ging um die Einführung unseres Concierge Services für ausländische Patienten. Im Gespräch kamen wir auch auf den Fachkräftemangel im Pflegebereich zu sprechen. Er meinte, dass die Pflegekräfte zu schlecht bezahlt würden. Eine Intensiv-Pflegekraft bekommt für die verantwortungsvolle Aufgabe, die sie hat, schlicht und ergreifend zu wenig Gehalt. Schlechtes Gehalt-Leistungsverhältnis. Er würde lieber mehr zahlen, damit er die Betten belegen kann, darf er aber nicht – Tarifvertrag. Er meinte auch, und da komme ich jetzt zu einem sehr spannenden Punkt, dass man bei der Rekrutierung ausländischer Pflegekräfte die beste Erfahrung mit ukrainischem Personal gemacht habe. Warum? Im Vergleich zur Ukraine sei der Stellenwert einer Pflegekraft/Krankenschwester in deutschen Krankenhäusern höher. Bei spanischen oder indischen Fachkräften sei das anders. Die fühlten sich in Deutschland bzw. ihrem Arbeitsumfeld eher nicht so wohl, weil ihre Arbeit in ihren Heimatländern eine höhere Wertschätzung erfahren würde.

Diese Aussage bringt mich zu folgendem Gedanken: Ich glaube, dass wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in deutschen Unternehmen viel mehr Wertschätzung zukommen lassen müssen. Meine These lautet: Wertschöpfung folgt Wertschätzung. Und ich gehe noch einen Schritt weiter. Ich bin dafür, dass in den Unternehmen eine Art „Wohlfühlatmosphäre“ herrscht. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen in einem positiven Arbeitsumfeld bessere Leistungen bringen und deutlich produktiver sind. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, Marco Rose, hat im „Aktuellen Sportstudio“ folgendes gesagt: „Ich arbeite mit meinen Mitarbeitern auf Augenhöhe. Arbeitsatmosphäre ist für mich ein ganz wichtiger Faktor und, dass jeder in seinem Bereich wertgeschätzt wird und dass jeder weiß, dass er wichtig ist und sich wichtig fühlt. Jeder hat natürlich seine Aufgabe abzuliefern in seinem Bereich. Das hinterfragen wir natürlich.“ Ich habe selten etwas so Richtiges von einer Führungskraft gehört. Borussia Mönchengladbach hat in der vergangenen Saison (2019/20) den vierten Tabellenplatz belegt. Das bedeutet die Teilnahme am Champions League-Wettbewerb und somit garantierte Mehreinnahmen in Höhe von 15 Millionen Euro.

Wenn die Rahmenbedingungen in den Unternehmen stimmen, wenn die Kultur im Unternehmen eine offene, wertschätzende, vertrauensvolle und respektvolle ist, und der entsprechende Mindset bei der Geschäftsleitung vorhanden ist, dann wird es diesen Unternehmen auch leichter fallen, Fachkräfte zu akquirieren. Versprechen Sie Ihren zukünftigen Mitarbeiter*innen den „Himmel auf Erden“ in Ihrem Unternehmen und sorgen Sie dafür, dass es so ist. Nichts ist schlimmer als Versprechen abzugeben und diese dann nicht einzuhalten.

Und wo kommen jetzt die oben erwähnten Mitarbeiter-Benefits ins Spiel? Na die sind längst im Spiel. Zu einer Wohlfühlatmosphäre im Unternehmen gehören auch Benefits. Diese sind allerdings nur dann sinnvoll und angebracht, wenn auch die Unternehmens-Kultur stimmt. Wenn allerdings Misstrauen, schlechte Atmosphäre und starres Hierarchie-Denken vorherrschend sind, dann sind Mitarbeiter-Benefits für Unternehmen herausgeworfenes Geld, weil sie ihre Wirkung verfehlen. Ein Unternehmen kann eine ellenlange an Benefits haben, doch wenn die Bewertungen beispielsweise auf kununu eine Katastrophe sind, bringen diese nichts.

Eine Top-Unternehmenskultur gepaart mit einem großen Blumenstrauß an Corporate Benefits kann nur ein Erfolg gegen den Fachkräftemangel sein. Einer unserer Kunden, die unseren Mitarbeiter-Concierge Service nutzen, sagt seinen Mitarbeitern immer wieder „Ihr seid wichtig.“ Und er zeigt es ihnen. Ich kenne dieses Unternehmen mittlerweile gut und werde oft eingeladen, den neuen Mitarbeitern den Corporate Concierge Service näher zu bringen. Ich bin immer wieder beeindruckt, welch positive Kultur dort herrscht. Und dankbar, mit meinem Team für dieses Unternehmen und die Mitarbeiter*innen arbeiten zu dürfen. Und das schöne ist, die Mitarbeiter*innen sind wiederum dankbar, dass wir ihre lästigen und stressigen Aufgaben übernehmen – beruflich und privat. Und das wiederum wirkt sich auf das Arbeitgeberimage aus. Bei kununu hat das Unternehmen ein Score von 4,6 von 5 möglichen Punkten. So, und wenn potentielle Talente, also mögliche Bewerber, dies lesen, müssen sie nicht lange überlegen, ob sie sich dort bewerben oder nicht.

Gerade die neuen Mitarbeiter*innen des Unternehmens, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, sind sehr, sehr dankbar für den Concierge Service als Mitarbeiter-Benefit. Sie müssen sich nicht um das Finden einer Wohnung kümmern, alle Angelegenheiten mit den Behörden werden geregelt, Schul- und Kita-Plätze werden organisiert, Arzttermine gemacht, Versorgungsunternehmen gesucht und bei den vertraglichen Angelegenheiten unterstützt, u. v.m.

Wie teuer ist der Concierge Service als Corporate Benefit?

Mitarbeiter-Benefits sind kein teures lästiges Übel. Im Gegenteil. Corporate Benefits sind Zusatzleistungen, die beim Mitarbeiter grundsätzlich gut ankommen, wenn sie wohlgewählt sind. Es gibt allerdings auch Studien, die zeigen, dass die Meinungen hier auseinandergehen. Der Unternehmer findet z.B. den Firmenwagen als Benefit ganz toll. Der Mitarbeiter braucht den aber gar nicht, weil er in der gleichen Stadt arbeitet, wo er wohnt. Ziel verfehlt. Oder die kostenlose Fitnessstudio-Mitgliedschaft, die der Unternehmer zahlt, aber die nur max. 20 % der Mitarbeiter nutzen. Der Benefit verpufft beim Großteil der Angestellten. Hier sind Befragungen der Mitarbeiter wichtig, um den exakten Bedarf zu ermitteln und flexible Lösungen und eine hohe Bandbreite an Benefits, die dem Mitarbeiter zugutekommen. Wichtig sind hier Lösungen, die den Unternehmer erstmal nichts kosten, sondern nur dann, wenn der Mitarbeiter sie in Anspruch nimmt – pay per use-Modelle quasi. Und Benefits, die bei den Mitarbeiter*innen gut ankommen und positiv auf das Konto „Arbeitgeberattraktivität“ einzahlen, sind sehr gut investiertes Geld.

Ist der Fachkräftemangel hausgemacht?

Opel hat – oder hatte – den Slogan „Umparken im Kopf“. Gefällt mir super. Ich weiß selbst aus eigener Erfahrung, was ein Perspektivenwechsel bewirken kann. Ich glaube, dass der Mittelstand bzw. mittelständische Unternehmer ihren Standpunkt, was das Thema Fachkräftemangel angeht, überdenken müssen. Das Thema Employer Branding ist da extrem wichtig. „Mach Dich als Unternehmer hübsch für die Braut.“ Für ihre Kunden tun das die meisten Unternehmen. Für ihre Bewerber*innen meistens nicht. Was passiert in den meisten Fällen, wenn ein Unternehmen eine Bewerbung erhält? Die bleibt liegen! Wie wäre es, wenn der Personalleiter des KMU sofort zum Hörer greift und die Bewerberin/den Bewerber anruft?! Was wäre das denn für ein Signal? Als KMU muss man zumindest auch eine ordentliche Karriere-Seite auf der Website haben – vielleicht sogar eine eigene Landing Page nur für Talente und Bewerber. Hier gibt es viele Ansätze im Bereich Employer Branding und Arbeitgeberattraktivität. Und wenn ein Unternehmen einfach nicht attraktiv ist? Dann macht man es halt dazu. Man kann mit vielen kleinen Maßnahmen und dem Justieren der Stellschrauben viel bewirken…

Mit diesen Maßnahmen kann der Fachkräftemangel erfolgreich umgangen werden:

  • Das Recruiting überdenken: international anstatt ausschließlich national
  • Die Unternehmenskultur verbessern – Schritt für Schritt
  • Attraktive Corporate Benefits einführen – zielgerichtet und individuell

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eMail: service@agent-cs.de
Telefon: 069 9450 7270